Die ursprüngliche Idee
Die Idee für den POLITIKATLAS entstand in einer Diskussion zwischen Jakob von Weizsäcker und mir im Winter 2008/09: Warum, so fragten wir uns, nimmt kein Mensch Notiz von parlamentarischen Anhörungen? Da werden die kontroversen Fragen unserer Zeit verhandelt, alle gesellschaftlichen Kräfte und Interessen speisen ihre Standpunkte und Argumente in den Gesetzgebungsprozess ein, da kommen Experten und Verbände zusammen und wollen den Gesetzgeber argumentativ von ihrer Sache überzeugen – und kein Mensch interessiert sich dafür. Die Argumente und Positionen stehen im Netz, sind öffentlich zugänglich – und kein Mensch macht Gebrauch von ihnen.
Politik ist ungeheuer komplex. Die meisten Regelungsmaterien sind so vielschichtig, so verzweigt und so technisch, dass man sie nur unter enormem Aufwand überblicken und damit diskutieren kann. Dieser Aufwand lohnt sich nur für die, deren Interessen ganz unmittelbar betroffen sind. Alle anderen bleiben außen vor. Die Folge sind geschlossene Expertendiskurse, an denen nur wenige Interessen teilnehmen können. Die Folgen sind Intransparenz und bröckelndes Vertrauen in die Legitimation politischer Entscheidungen generell.
Was müsste passieren, um diesen Aufwand zu senken? Wie kann man den Zugang zu diesen Expertendiskursen erleichtern? Die Idee hatte Jakob: Man müsste diese kontroversen Gesetzgebungsthemen grafisch abbilden. Man müsste eine Art Diagrammsprache, ein Notationssystem entwickeln, in dem man diese Kontroversen erkunden kann wie eine bestimmte Gegend auf einer Landkarte. Man müsste diese Kontroversen kartografieren.